Die "Kreisende Wurzel"Schon einmal etwas von der „Kreisenden Wurzel“ gehört? Das ist ein ganz besonderes Wurzelsystem, das von manchen Pflanzenproduzenten und -verkäufern entwickelt wurde. Auf meiner aktuellen Baustelle habe ich beim Roden dieses interessante Wurzelsystem wieder einmal entdeckt. Mir geht es nun darum, kurz zu zeigen, wie notwendig eine gute Qualität von Pflanzen ist, damit sie später richtig wachsen können. Denn die menschengemachte „Kreisende Wurzel“ spricht von schlechter Qualität und wächst sich auch nicht einfach so aus. Was ist also zu machen?

Die "Kreisende Wurzel"Die auf den Bildern sichtbare Wurzel stammt von einem etwa 10 Jahre alten Schneeball ‚Viburnum‘. Man sieht deutlich die um den Mittelpunkt kreisende Wurzel. Nur an wenigen Stellen und vor allem im oberen Bereich, hat sich der Schneeball erlaubt, Wurzeln nach außen zu bilden. Warum? Die einfache Erklärung ist: Er stand zu lange im Topf! Er stand so lange im Topf, dass ihm der Platz nicht mehr ausgereicht hat, und er mit seinen Wurzeln einen Weg nach draußen gesucht hat. Dabei sind die Wurzeln die Topfwand entlang gewachsen. Mit diesem Drehwuchs hat der Strauch dann aber auch außerhalb des Topfs nicht mehr aufgehört. Er hat sich sozusagen damit abgefunden, dass es nicht mehr Platz gibt. Dabei hatte er die letzten Jahre genug Platz. So ähnlich ist das bei uns Menschen doch auch manchmal, oder? Man gewöhnt sich an eine Einschränkung und hält sich daran, auch wenn sie vielleicht gar nicht mehr besteht.

Die „Kreisende Wurzel“ in der Praxis

Was bedeutet das nun für die Praxis? Welche Auswirkungen hat dieses Phänomen auf einen Strauch? Durch den kleinen Wurzelraum ist der Strauch tendenziell schlechter mit Nährstoffen und Wasser versorgt. Er verhält sich fast wie eine Kübelpflanze, obwohl er im freien Garten steht. Dadurch wächst er schwächer, ist anfälliger für Krankheiten und Trockenheit. Bei Bäumen kommt noch die Statik hinzu, da ein Baum mit einem solchen Wurzelsystem auch nicht gut verankert ist und bei Sturm leicht umkippen kann. Deshalb sollte man bei einem Kauf von solchen Pflanzen die Finger weg lassen. Das ist einfach keine gute Qualität.

Es soll jedoch eine Möglichkeit geben, so einer Pflanze doch wieder zu einem normalen Wachstum zu verhelfen: Die Wurzeln müssen ab! Das meine ich ernst! Die im Kreis verlaufenden Wurzeln sollten zumindest teilweise abgeschnitten werden. An den Schnittstellen wird das Wachstum neuer Wurzeln angeregt, die dann hoffentlich merken, dass da keine Topfwand mehr ist und sich ganz normal im Boden verteilen. Wer also eine solche Pflanze gekauft hat, sollte mutig zur Schere greifen. Dabei aber nicht vergessen, auch oben etwas ab zu schneiden, damit das Verhältnis Wurzel zu Blättern im Gleichgewicht bleibt. Sonst vertrocknet der arme Strauch dann doch noch. Das (richtige) Anschneiden der Wurzeln ist bei der Pflanzung sowieso empfehlenswert. Aber darüber ein andermal.

Ich wünsche viel Erfolg beim Pflanzen!

Pflanzenqualität – die „Kreisende Wurzel“

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