Taraxacum sect. ruderalia - der Löwenzahn
Taraxacum sect. ruderalia – der Löwenzahn: Wieso jätet ihn jeder? Sieht doch ganz nett aus…

„Unkraut“ kennen schon kleine Kinder, die das Vorrecht haben, mit einem Garten groß zu werden. Manch ein Erwachsener ist der Meinung, ganz genau zu wissen, was Unkraut ist. Ich selbst habe einmal aus zweiter Hand von einem Gärtner gehört, der bei einem reichen Kunden eine Pflanze entdeckte, die fast den ganzen Garten bevölkerte. „Was für eine aggressive Pflanze!“, dachte sich der fleißige Mann und ordnete es gleich als Unkraut ein. Er jätete dann auch eifrig den ganzen Nachmittag alle diese ähnlich aussehenden Pflänzchen. Aber auf das Lob des Kunden wartet er noch heute Warum?

Der fleißige, aber unwissende Gärtner hatte die Helleborus-Sammlung des armen Kunden zerstört.

Was zeigt uns diese Begebenheit eindrücklich? Was ein Mensch als Unkraut ansieht, ist immer relativ. Es gibt einfach kein Gesetz, das festlegt, was Unkraut ist und was nicht. Deswegen tue ich mich manchmal auch mit einer Antwort schwer, wenn ich gefragt werde, ob diese Pflanze jetzt Unkraut sei. Wobei ich manchmal auch schon einfach „ja“ gesagt habe, um den Fragenden nicht zu verwirren.

Wie könnte man „Unkraut“ nun definieren?

Meine Definition sieht folgendermaßen aus: „Unkraut ist eine Pflanze, die mir an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt nicht gefällt und ich aber Mühe habe, sie los zu werden.“

Es gibt bestimmte Pflanzen, auf die trifft diese Definition eigentlich immer zu. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die absichtlich Löwenzahn oder Quecke in ihren Garten pflanzen oder sich wünschen. Die Pflanzen, die fast immer als Unkraut bezeichnet werden, nenne ich jetzt einfach mal „klassische Unkräuter“. Dazu gehören eben Löwenzahn, Quecke, Giersch, Vogelmiere, kriechender Hahnenfuß, Gänseblümchen, Weißklee, Springkraut, Pfeilkresse und je nach Region manches mehr.

Ich denke, Unkräuter zeichnen sich vor allem durch ihre invasive und kaum kontrollierbare Vermehrung aus. Und das kann auch auf Pflanzen zutreffen, die in Gartencentern beworben werden. Ein Beispiel ist für mich die Herbstanemone (Anemone hupehensis). Sie bildet sehr tiefe Wurzeln und verbreitet sich gerne großflächig. Trotzdem wird sie immer wieder gepflanzt. Sie sieht auch schön aus. Aber wenn sie sich einmal etabliert hat, wird es schwer, sie in Schranken zu weisen oder sie wieder los zu werden. Ähnliche Fälle gibt es auch mit bestimmten Bambusarten und dem ökologischen Problem mit Fallopia japonica, dem japanischen Staudenknöterich. Man sollte sich deswegen gut überlegen, was man sich in den Garten einlädt.

Anemone hupehensis 'Septembercharme' - Herbstanemone
Anemone hupehensis ‚Septembercharme‘ – Herbstanemone: Sie kann auch ein Unkraut sein!

Auf der andern Seite ist manches einheimische „Unkraut“ gar nicht so schlimm und macht sich an der richtigen Stelle ganz gut.

Ich möchte in nächster Zeit dann auf Bekämpfungsstrategien allgemein und gegen einzelne Unkräuter eingehen.

Auf Eure Erfahrungen bin ich gespannt.

Was ist Unkraut?
Markiert in:             

3 Kommentare zu „Was ist Unkraut?

  • 21. Januar 2013 um 12:53
    Permalink

    Unkraut ist immer relativ. Für mich beispielsweise sind Gänseblümchen (in Deiner Unkrautdefinition enthalten) sicherlich kein Unkraut sondern durchaus hübsch anzusehen und ich ärgere mich nicht über sie. So sieht das halt jeder anders.

    Bei Brennesseln sind sich aber die meisten einig, die akzeptiert man zwar in der freien Wildbahn, meistens jedoch nicht im eigenen Garten. Dabei kann man doch einen tollen Sud gegen Blattläuse daraus machen. So kann man manches „Unkraut“ durchaus sinnvoll einsetzen.

    Antworten
  • 13. Dezember 2012 um 13:35
    Permalink

    Das ist interessant. Ich habe auch schon manchmal darüber nachgedacht, die „Unkräuter“ sinnvoll zu verwenden. Der Giersch ist ja durchaus ein guter Bodendecker. Doch auf dem Balkon habe ich bisher keinen gesehen. 😉
    Gibt’s dazu vielleicht auch mal ein Foto?

    Antworten
  • 13. Dezember 2012 um 07:28
    Permalink

    Moinsen,

    viele der sogenannten „Unkräuter“ besitzen die Eigenschaften, die wir uns für Zierpflanzen wünschen. Sie sind anpassungsfähig und robust.

    Ich habe einen panaschierten Giersch, Gundermann, einen gefüllt blühenden Kriechenden Hahnenfuß, diverse Klee-Arten und Schöllkraut auf dem Balkon. Sie blühen zum Teil den ganzen Somer und ich muss sie weder im Herbst ein-, noch im Frühjahr wieder ausräumen.

    Im nächsten Jahr soll noch ein weißer Löwenzahn (Taraxacum albidum) dazukommen. Bei dem ich schon gespannt bin, wie das mit der Pfahlwurzel im Topf klappt.

    Viele Grüße von Frau-Doktor

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.